Storytime: Burned – Chap. 0

manti_wh

Kapitel 0:

„McEsset! Wo zum heiligen Henker stecken sie?“ brüllte eine dominante Stimme durch die Gänge. Die Wände weigerten sich allerdings ein Echo zu erzeugen, Vibrationen wurden durch die Naniten die das Tarnsystem des Bombers der Manticore-Klasse in Gang hielten unterbunden. „McEsset, wenn sie nicht in 23 Sekunden vor mir stehen, lasse ich die Luft aus dem Korridor!“. Für geschätzte 7,38 Sekunden erreichte der Schalldruck den absoluten Nullpunkt, eine Gruppe der Naniten geriet in Panik und versammelte sich unter einer herumstehenden Werkzeugkiste zu einem perfekten Hexagon. Ein Lüftergitter beschloss spontan diese Stille zu durchbrechen, indem es sich selbstlos aus seiner Verankerung in der Decke löste nur um anschließend auf dem harten Stahlboden ein Konzert aus Metal, ein paar Tritaniumfunken und umherfliegenden Schrauben zu veranstalten.

Ein Brocken Biomaterie, der so aussieht wie man sich einen gemeinen Fedo* vorstellt, der eine unliebsame Begegnung mit einem Schallbolzenhammer** hatte, viel aus der vom Gitter hinterlassenen Öffnung. Sekundenbruchteile nachdem die Biomaterie sich der Gravitation ergeben hat, erschien ein sehr menschlich aussehender Kopf aus dem dunklen des Lukenschachts. „Oh, Commander Benson, was machen sie denn auf diesem Deck? Ich seh sie gar nicht…“. „Andere Seite McEsset…“ knirschte der Commander durch seine Zähne. Es pollterte im Schacht und der Kopf drehte sich in seine Richtung. Ein Gesicht, verschmiert mit schwarzem Staub und diversen Fetten, mittellangem, braunem Haar welches der Schwerkraft Tribut zollend von ihm herunter hing und dem nervigsten Grinsen das in dieser Sternenregion existieren musste, strahlten ihn an wie ein alter Minmatar Reaktor drei Tage vor der Ausmusterung.

*Der Fedo ist eine kleine Kreatur, die Weibchen reichen grade mal bis zum Knie, die Männchen nicht – welche in der Raumfahrt als günstige Putzkräfte eingesetzt werden. Sie vertilgen alles an Müll und Dreck, benötigen ansonsten kaum Platz und geregelte Arbeitszeiten sind ihnen Fremd.

** Ein Schallbolzenhammer schlägt für gewöhnlich Tritaniumbolzen in entsprechendes Material, allerdings gilt er in gewissen Kreisen aufgrund seiner Robustheit und seiner langen Produktionszeit auch als erstklassiges Folterwerkzeug, Kochutensil und Türstopper.

„Raus aus dem Schacht!“ forderte der Commander den von der Decke hängenden Kopf auf. „Sofort Sir“ hörte man noch als der Kopf wieder im schwarzen Nichts verschwand. Wie man darin etwas sehen, geschweige den überhaupt freiwillig reinklettern konnte, war etwas mit dem sich Benson’s Verstand nur kurz und nach Sichtung der Fakten nie wieder beschäftigen wollte. Es rumpelte aus dem Schacht, als würde jemand einen alten, sehr schweren Tisch über einen ebenso alten Holzboden ziehen, dann fielen zwei Beine aus dem Schacht. „Achtung, bitte zur Seite gehen, Ingenieur im Landeanflug“ warnte McEsset als auch der Rest seines eher drahtigen Körpers folgte.

„Tadaaaa“ feixte McEsset über seine elegante Landung, der Commander ignorierte diesen Ausbruch an Euphorismus gekonnt und wies ihn mit einer Handbewegung an zu folgen. Die Tür glitt mit einem metalischen Schnarren auf, als wollten die Lager ihren Unmut über die fehlende Wartung ausdruck verleihen. „McEsset, das Schiff ist in einem derart schlechten Zustand…“ begann der Commander und wurde unterbrochen „für die ich absolut nicht verantwortlich bin“. Benson blieb stehen und drehte sich zu McEsset um: „Lassen sie das oder sie landen doch noch in der Luftschleuse! Uns ist bekannt, was den Schaden verursacht hat, bei Bob, der verdammte Torpedo steckt immer noch in der Aussenhülle. Leider sind SIE der letzte Warpingenieur der noch übrig ist“. Benson resignierte als ihm seine ausgesprochenen Worte selbst bewusst wurden. „Ich weis ihr Vertrauen in mich zu schätzen, Commander!“. Wenn Benson die unterste Ebene der Stimmungsskala bildete, war McEsset als Gegenpol den Urknall der Lebensfreude in Militärstiefeln. Und das Schlimmste für Benson war, dass es egal ist wie schlecht die Stimmung war, McEsset wurde einfach immer Fröhlicher. Wenn Sie es nach Hause schaffen sollten, würde einer von beiden einen Neurologen aufsuchen müssen, da war er sicher.

Bedrückte Gesichter und einzelne Leute dazwischen brüllten Kommandos, auf der Brücke hatte es eine ähnliche Atmosphäre wie auf einem amarrischen Sklavenmarkt wär da nicht die rote Beleuchtung, die blinkenden Warnlichter auf den noch funktionierenden Konsolen und Kabel die aus den Schächten glimmend von der Decke hingen. Vor ein paar Stunden sah es noch schlimmer aus, die Blutflecken auf dem Metallenen Bodenplatten zeugten von mehr als einem Crewmitglied, welches sein Leben für die Pflicht ließ. „Pence, geben sie mir den Status, Kurzfassung!“ rief eine weibliche, deutlich gehetze Stimme. „Captn, die meisten System sind defekt. Die Tarnung arbeitet, aber nur auf Minimalleistung. Ingenieurteam 4 meldet, der Antrieb sollte bald wieder funktionieren. Schildgeneratoren durchgebrannt und nicht reparabel, Hülle weist mehrere Frakturen auf, Waffen sind tot, Lebenserhaltung läuft auf Notenergie…“ ratterte der Crewmann stoisch herunter wie er es auf der Akademie gelernt hatte. “

„Noch kürzer, was funktioniert noch?“ entgegnete der Captn ungeduldig. „D…die Sensoren vorne und Achtern arbeiten mit 80%, die Bombenrampe meldet alle anzeigen Grün“. „So wenig… hm“. Pence sah über seine rechte Schulter zum Captn auf, Sie saß in ihrem Stuhl, entgegen der Vorschriften ohne ihre Punktgurtsicherung, lehnte auf ihrem rechten Ellenbogen. „Wieviele Ingenieure haben wir noch?“, sie richtete die Frage erneut an Pence. „Team 4 ist mit 6 Mann vollständig, Team 1 hat nur noch 3 Mitglieder, Team 2 noch eines. Alle übrigen…“. Sie stoppte ihn mit einer Handbewegung. Er musste nicht weitersprechen, im letzten Gefecht hat das Schiff eine Menge abbekommen, Verluste waren zu erwarten gewesen, doch die Crew von eigentlich 67 beim Start war auf 24 gesunken. Selbst für ein Schiff in der Grösse eine Frigatte war dies eine Einschränkung die an jedem Ende spürbar war. „Legen Sie Team 1 und 2 zusammen, sie sollen sich um den Antrieb kümmern. Wenn wir uns nicht bewegen, können wir das Schiff gleich sprengen“. „Aye Captn.“

„Captn. Sahre Reid, auf ein Wort!“. Ein Mann in dunkel gefärbten Anzug überquerte mehrere Kabelstränge die am Boden lagen und bahnte sich einen Weg zum Kommandostuhl des Captn. Ein Implantat an seinem Hals blinkte ab und zu bernsteinfarben auf, seltsamerweise konnte Pence seine Schritte nicht hören obwohl er direkt hinter ihm vorbeiging. „Jin, sie leben also noch? Zu schade“. „Captn, dies ist nicht die Zeit für Scherze…“, Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, aber was sollte in ihrer Situation auch jetzt noch passieren?. „Wir müssen diesen Ort schnellsten verlassen, ich nehme doch an das Sie sich der Mission immer noch bewusst sind?“. Reid lehnte sich zurück ohne den Mann anzusehen. „Sie meinen die Mission mit der ihr Arbeitgeber uns beauftragt hat, weshalb wir jetzt mit einem Wrack ohne Antrieb, Waffen und über 40 Crewmann weniger in einem verdammten Wurmloch festsitzen?“. Man hatte das Gefühl, auf der Brücke wurde es um schlagartig um 10 Grad kälter. „Ja, ich bin mir dessen bewusst“. Ohne die drohenden Warnungen in ihrer Stimme zu beachten redete der Mann weiter „Das möchte ich um ihretwillen hoffen, ich werde ein Quartier aufsuchen… wenn noch eines existiert“. Ohne eine Respektsbezeugung wandte er sich von ihr ab und begab sich zum Ausgang der Brücke.

Pence sah zum Captn. Sie spürte seinen Blick. Warum ließ Sie sich das gefallen, fragte er sich immer wieder. Soweit ihm bekannt, wurden Sie für diesen Auftrag nicht einmal anständig bezahlt. Wahrscheinlich wieder so ein Ding zwischen irgendwelchen Kapselpiloten. „Crewman, ihre Arbeit macht sich nicht von selbst“ murmelte sie, offenbar in Gedanken ganz woanders. „Ja, Captn, bitte um Verzeihung“ stolperten die Worte aus seinem Mund als er sich wieder zu seiner Konsole drehte.

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